Waldmann fertigt seit über einem Jahrhundert klassische Schreibgeräte in Pforzheim. Das unabhängige Unternehmen steht für die Verwendung von Silber, klassische Guillochierkunst und eine hohe Fertigungstiefe. Ein Besuch bei Waldmann zeigt, wie aus deutscher Handwerkskunst hochwertige Waldmann Füller, Kugelschreiber und Co. entstehen.
Der Weg zu Waldmann führt nach Ölbrunn-Dürrn im Enzkreis – etwa 12 Kilometer von der Goldstadt Pforzheim entfernt. In Pforzheim hat die Marke übrigens ihre Ursprünge. Erst in der jüngeren Vergangenheit wechselte der Standort von Waldmann nach Ölbrunn-Dürrn.
Klassische Metallverarbeitung
Die Waldmann-Manufaktur erstreckt sich auf insgesamt drei Hallen, in denen alle Arbeiten verrichtet werden, die es zur Herstellung eines Schreibgeräts bedarf. Zwei der Hallen sind miteinander verbunden; die dritte Halle liegt ebenfalls nur wenige Meter entfernt. Schon zu Beginn des Besuchs geht es direkt ans Eingemachte: Hier findet klassische Metallverarbeitung – oder im Falle Waldmanns vornehmlich Silberverarbeitung – statt. Waldmann guillochiert, dreht und wirbelt.

Während beim Guillochieren feine Linienmuster graviert werden, indem Material “verschoben” wird, wird beim Drehen und beim Wirbeln mit einem rotierenden Werk Material abgetragen. Im Zeitpunkt des Besuchs werden beispielsweise mit einer Drehmaschine Innenhülsen für ein Waldmann-Schreibgerät bearbeitet.

Während die Drehmaschine zu den voluminösesten und modernsten Geräten bei Waldmann gehört, verrichten in anderen Ecken der Manufaktur weitaus traditionellere (und kleinere) Maschinen ihren Dienst.
Am anderen Ende der Halle befindet sich eine klassische Guillochiermaschine, die von Hand bedient wird und mit der gerade die Hülse eines Schreibgeräts guillochiert wird. Dabei trägt der Schneidstichel feine Linien in die bereits polierte Oberfläche ein. Apropos bereits poliert: Bei Waldmann findet nach jedem Arbeitsschritt eine Qualitätskontrolle statt. So kann die Manufaktur die hohe Fertigungsqualität ihrer Stifte sicherstellen.


Waldmann stellt natürlich auch Schreibgeräte in “klassischer” Handarbeit – also ganz ohne Display – her. Diese Arbeiten finden an einem anderen Ort der Manufaktur statt und werden später behandelt.
Waldmann und Galvanik
Beim Galvanisieren erhalten Metallteile ihre endgültige Oberfläche. Dazu wird in mehreren Bädern eine hauchdünne Schicht aus Silber, Rhodium oder Gold aufgetragen, die das Schreibgerät vor Korrosion schützt, den Glanz verstärkt und ihm seine endgültige Farbe definiert. Behandelt werden nahezu alle sichtbaren Komponenten. Dazu zählen Hülsen, Kappen, Clips, Zierringe und Endstücke.
Zunächst werden die einzelnen Teile gründlich gereinigt, um sämtliche Rückstände von Schmutz, Öl und Fett zu entfernen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass die Oberflächen frei von Verunreinigungen sind und optimal für die folgenden Arbeitsschritte vorbereitet werden. Im Anschluss erfolgt eine weitere Reinigung im sogenannten Aktivbad. Dieser Schritt dient dazu, verbliebene Rückstände zu entfernen und die Oberfläche optimal auf die nachfolgenden Bearbeitungsschritte vorzubereiten. Bei Materialien wie Gold sind zusätzliche Unterbeschichtungen erforderlich. Sie sorgen dafür, dass die Oberfläche eine dauerhafte Haftung erhält und die Beschichtung langfristig stabil und zuverlässig bleibt.
Die galvanische Beschichtung der Schreibgeräte findet aktuell nicht in der Manufaktur vor Ort statt. Sie wird extern ausgeführt. Vor Ort befindet sich aber ein Galvanikbad, das derzeit für andere Zwecke verwendet wird.

Polieren, kontrollieren, lackieren
Ein weiterer Fertigungsprozess ist das Polieren. Bemerkenswert dabei ist, dass Waldmann die Komponenten seiner Schreibgeräte in Handarbeit poliert.

Das geballte Know-how der Marke lässt sich im laufenden Betrieb natürlich erahnen – auch wenn die betriebliche Routine eine gewisse Einfachheit ausstrahlt. Wie ungemein groß und komplex der Schöpfungs- und Wissensfundus der Marke aber ist, offenbart sich vor Ort vor allem an kleinen, aber feinen Details. Eines dieser Details ist ein Lagerraum mit Polier- und Schleifwalzen unterschiedlicher Körnung. Die Walzen bestehen aus Schleifvlies oder Leinenlamellen und werden je nach Härtegrad für verschiedene Arbeitsschritte eingesetzt – von der matten Vorpolitur bis zur spiegelnden Endbearbeitung. Derartige Einzelheiten versinnbildliche die Vielfalt an möglichen Arbeitsschritten und das Wissen, das in der Manufaktur steckt.

Ein weiterer Raum ist der Qualitätskontrolle zwischen der finalen Montage gewidmet. In diesem Raum befinden sich unter anderem Geräte, mit denen die Fertigungsqualität der einzelnen Komponenten auf Bruchteile eines Millimeters genau überprüft werden kann. Im Fokus stehen aber freilich ausführliche Kontrollen mit geschultem Auge.


Das Lackieren nimmt bei Waldmann ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Schreibgeräte wie der Waldmann Précieux verfügen über einen lackierten Schaft. Diese Arbeiten werden – wie alle anderen Arbeitsschritte auch – direkt vor Ort in Ölbronn-Dürrn durchgeführt. Das Lackieren erfolgt hinter verschlossenen Türen, um maximale Sauberkeit zu gewährleisten.
Unweit der Lackiererei befindet sich übrigens im wahrsten Sinne des Wortes ein Schatz: der Tresor. Hier werden nicht nur fertiggestellte Schreibgeräte gelagert, sondern auch die Silbervorräte, die von Waldmann verarbeitet werden.

Es handelt sich um hohle Rundstangen, die aufgrund ihrer Beschaffenheit ideal geeignet sind, um zu Schreibgeräten weiterverarbeitet werden zu können.

Lager und Fertigung in Handarbeit
Unweit der zuvor erwähnten Qualitätskontrolle befindet sich bei Waldmann ein weiteres Lager, in dem einzelne, bereits fertiggestellte Schreibgeräte-Komponenten gelagert werden.

Unweit vom Lager stehen gleich mehrere Schätze: Alte Maschinen, die von Hand bedient werden. Man könnte beim ersten Betrachten meinen, dass es sich um Museumsstücke handelt. Obwohl es heute moderne CNC-Verfahren gibt, kommt diese traditionelle Methode bei einigen Schreibgeräten – etwa bei kleineren Serien – nach wie vor zum Einsatz. Die Arbeit mit diesen Maschinen erfolgt händisch. Mit anderen Worten: Waldmann produziert nicht nur komplett “made in Germany”, sondern sogar noch von Hand.
Eine dieser Maschinen ist die sogenannte Knet- oder Hämmermaschine: Diese wird manuell eingesetzt, um Stifthülsen mechanisch zu verjüngen.

Endmontage, Endkontrolle, Versand
Die letzte Etappe der Schreibgeräte-Fertigung findet in einem Büroraum statt, in dem in einem letzten Schritt Montage sowie Kontrolle erfolgen und der Versand von fertig hergestellten Schreibgeräten vorbereitet wird. Diese Arbeitsschritte werden händisch durchgeführt. Im selben Raum führt Waldmann zudem Reparaturen durch – natürlich ebenfalls von Hand.


Zudem werden hier verschiedene Federaggregate gelagert, die auf die Endmontage warten. Laut Waldmann ist die Federstärke M – die goldene Mitte – bei Käufern am beliebtesten.

Der Waldmann-Showroom
Last but not least: Waldmann hat erst kürzlich einen Marken-Showroom eingerichtet – und zwar mit viel Liebe zum Detail. Neben Regalen mit wichtigen Schreibgeräten der Marke und einschlägiger Literatur finden sich hier bequeme Sitzgelegenheiten Der Raum dient nicht nur der Präsentation, sondern auch dem Austausch: Hier können Veranstaltungen oder Treffen stattfinden, bei denen Besucher die handwerkliche Arbeit von Waldmann unmittelbar vor Ort erleben.


Im Showroom stellt Waldmann zudem eine historische Guillochiermaschine aus. Die Ausstellung eines solchen Geräts steht sinnbildlich für das, was das Unternehmen bis heute prägt: Respekt vor handwerklicher Präzision, Bewusstsein für Herkunft und der Wille, traditionelle Techniken in die Gegenwart zu tragen. Dies zeigt sich auch daran, dass Waldmann noch immer vergleichbare Geräte verwendet, um manuell Schreibgeräte zu produzieren.

Liebhaber von Schreibgeräten assoziieren mit Waldmann meist die Verwendung von Silber. Nach einem Besuch vor Ort wird jedoch klar, dass die Marke nicht nur ihr Material auszeichnet, sondern vielmehr ihr konsequenter Umgang: Die Manufaktur arbeitet mit derselben Präzision wie vor Jahrzehnten – und teilweise auch mit denselben Geräten. Bis heute steht Waldmann damit für klassische deutsche Wertarbeit und eine Fertigungsqualität, mit der hochwertige, zuverlässige Schreibgeräte für jahrzehntelange Nutzung entstehen.






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