Waldmann steht wie kein anderer Schreibgerätehersteller für die Verwendung von Silber und traditionelle Fertigungsmethoden. Doch wie genau werden die Stifte gefertigt? Ein Besuch in Ölbrunn-Dürrn – unweit entfernt von Pforzheim – zeigt, wie mit Guillochierung, Drehen und Fräsen hochwertige Waldmann Füller und andere Schreibgeräte werden.
Handarbeit trifft auf modernste Technik
Wenn man das Innere der Waldmann-Manufaktur kennenlernt, offenbart sich ein spannender Spagat: Die baden-württembergische Manufaktur ist sich ihrer Wurzeln bewusst und hält an vielen Stellen der Fertigung an klassischer Handarbeit fest. Zudem stehen an zahlreichen Orten historische Geräte, die Museumscharakter haben und nach wie vor für kleinere Produktionen verwendet werden. Ein Beispiel ist eine alte Knet- oder Hämmermaschine. Mit dieser werden nach wie vor Stifthülsen für Waldmann Schreibgeräte in klassischer Handarbeit verjüngt.


Gleichzeitig verfügt Waldmann über modernste Maschinen, die im Hundertstel-Millimeter-Bereich arbeiten. Auf diese Weise kann eine größtmögliche Präzision dort gewährleistet werden, wo sie gefragt ist, ohne dass auf klassische Handarbeit verzichtet wird. Dies ist nicht nur bei der Metallverarbeitung der Fall, sondern zum Beispiel auch beim Polieren oder Lackieren. Wenn es aber um das Thema Metallverarbeitung geht, dann liegt der Fokus bei Waldmann auf dem Guillochieren, Drehen und Fräsen.
Guillochieren
Beim Guillochieren werden feine Linienmuster in die Oberfläche graviert – nicht durch Fräsen, sondern durch Schneiden. Grundlage des Guillochierens ist das Zusammenspiel von sogenanntem Tusch und Stahl: Der Tusch läuft auf der Oberfläche, der Stahl schneidet, und die Differenz zwischen beiden definiert die Tiefe der Gravur. Graviert wird stets in eine Richtung (von dünn nach dick). Das Muster selbst wird heute per Patrone oder CNC-Programmierung vorgegeben. Das Verfahren dient ausschließlich der dekorativen Oberflächenbearbeitung der Waldmann Schreibgeräte. Es unterscheidet sich damit klar von zerspanenden Verfahren, die primär der Formgebung dienen.


Bei Waldmann wird die Guillochiermaschine von Hand bedient: Der Schneidstichel trägt die Linien in die bereits polierte Oberfläche ein. Denn guillochiert wird erst, wenn die Oberfläche bearbeitet wurde. Nach jedem Arbeitsschritt folgt eine Qualitätskontrolle der Waldmann Schreibgeräte. Diese gewährleistet, dass die Gravur den Anforderungen der Manufaktur entspricht.
Selbstverständlich befindet sich in der Manufaktur auch eine historische Guillochiermaschine, die mit sogenannten Rosetten – also profilierten Musterscheiben – arbeitet. Ein Taster folgt der Kontur der Musterscheiben und überträgt diese auf einen Stichel, der das Muster direkt in die Oberfläche des Werkstücks schneidet. Auf diese Weise entstehen gleichmäßige, sich wiederholende Linien und Ornamente mit hoher Präzision.


Waldmann Schreibgeräte: Drehen
Beim Drehen wird – anders als beim Guillochieren, bei dem Material nur verschoben wird – Material abgetragen. Ein rotierendes Werkstück entfernt dabei gezielt Material und bringt das Schreibgerät so in die gewünschte Form. Bei Waldmann erfolgt dieser Vorgang an einer Benzinger TNI – einer der modernsten und voluminösesten Maschinen in der Manufaktur. Während andernorts in den Hallen weitaus ältere und kleinere Maschinen ihren Dienst verrichten, steht die Benzinger für die andere Seite von Waldmann: für hochmoderne Präzisionsarbeit.

Zum Zeitpunkt des Besuchs bearbeitet die Drehmaschine gerade Innenhülsen für ein Waldmann-Schreibgerät.

Fräsen
Beim Fräsen übernimmt das Werkzeug die Hauptbewegung. Ein rotierender Fräser wird an das Werkstück herangeführt und trägt Material gezielt ab. Anders als beim Drehen entsteht die Geometrie hier nicht durch die Rotation des Werkstücks, sondern durch die Bewegung des Werkzeugs selbst. Bei Waldmann kommt das Fräsen vor allem dann zum Einsatz, wenn es um definierte Strukturen auf der Oberfläche geht. Das Werkzeug schneidet dabei feine, parallele Linien in den Schaft. Es entstehen gleichmäßige Rillen, die das Erscheinungsbild und die Haptik des Schreibgeräts prägen.
Der Unterschied zum Guillochieren liegt im Verfahren: Während dort ein Stichel die Struktur in die Oberfläche schneidet, arbeitet beim Fräsen ein rotierendes Werkzeug.

Fazit
Der Blick in die Fertigung der Waldmann-Schreibgeräte zeigt vor allem eines: Bei Waldmann wird Silber nicht einfach verarbeitet, sondern ganz gezielt bearbeitet. Jeder Arbeitsschritt erfolgt hochspezialisiert, jede Maschine bearbeitet ein spezifisches Detail – und immer wieder greifen erfahrene Hände in die Verarbeitungsprozesse ein.
Genau dieses Zusammenspiel macht die Qualität von Waldmann aus: Sie entsteht nicht durch ein Material oder eine Verarbeitung allein, sondern durch ein gezieltes Ineinandergreifen von moderner Produktion und hingebungsvoller Handarbeit.






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