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#startwriting – Tagebuch schreiben (Teil I)

In unserem ersten Beitrag über das Thema Tagebuch, wollen wir Euch einen Überblick geben, warum es wichtig sein kann Tagebuch zu schreiben, wie und über was man überhaupt schreiben kann/ sollte. Außerdem findet ihr auch spannende Infos und Bilder bei uns auf Instagram – #keepadiary!

Tagebuch schreiben – Warum denn das?

Für viele von uns ist es im Alltag fremd, sogar eine Art Reliquie der analogen Welt, ein Projekt an welchem man zeitweise als Kind gebastelt hat oder auch ein Oma-Hobby – das Tagebuch. Diese einst weitverbreitete Gewohnheit des Tagebuch-Schreibens ist mit dem Aufstieg und der omnipräsenten Verfügbarkeit von digitalem Entertainment immer mehr verschwunden. In den letzten Jahren stieg jedoch mit der Wiederentdeckung des Schreibens auch die Anzahl der regelmäßig geführten Tagebücher an und das mit guten Gründen. Was diese guten Gründe sind, wie und was man in sein Tagebuch hineinschreibt und was Tagebuchschreiben überhaupt ist möchten wir Dir im Rahmen unseres #startwriting Themenblocks näherbringen.

Das Tagebuch im 21. Jahrhundert

Das Tagebuch ist für sich ein sehr individuelles und persönliches Element, weshalb es wesensfremd wäre eine allgemeine Definition festzulegen. Was sich jedoch sagen lässt ist, dass das Tagebuch ein Raum des freien Reflektierens, eine Arena für innere Konflikte und ein Beet für Gefühle ist, auf welchem sie gedeihen und sich, ihrem natürlichen Lauf folgend, ungehindert entfalten können. Das Tagebuch-Schreiben ist eine Möglichkeit unjuriert Ideen zu erkunden und Gedankengänge zu formen – all das in der Gegenwart und im Genuss der vollen Aufmerksamkeit eines selbst. Das Tagebuch ist ein also ein Instrument der Selbstentwicklung und eine Möglichkeit sich selber mehr Zeit zu widmen; etwas, dass wir im 21. Jahrhundert viel zu selten unternehmen. 

Was steckt hinterm Tagebuch schreiben?

Für einige ist dieses Konzept zu abstrakt und philosophisch. Gefühlsbeet? Konfliktarena? Reflektionsraum? Viele von uns bedürfen handfester, konkreter Begründungen und Erläuterungen, um etwas so Fremdes wie Tagebuchschreiben überhaupt in Erwägung zu ziehen. Zu Recht. Warum sich mit irgendwelchen Alltagsgedanken und Gefühlen beschäftigen? Warum sich die Mühe machen Alltäglichkeiten aufzuschreiben? Es wird ja gut möglich nie wieder gelesen…

Tagebuch – Selbstreflektion- & Erkenntnis

Nun, mehr als 500 wissenschaftliche Studien aus allen akademischen Disziplinen sind sich in den vielfältigen psychischen und physischen Vorteilen des Tagebuchschreibens einig. Zu den Bekanntesten zählen unter anderem die Verbesserung des Gedächtnisses und die Selbstintegration von Gefühlen und Einstellungen: Wer täglich an Erlebtes zurückdenkt, trainiert sein Erinnerungsvermögen. Zudem ermöglicht das Erinnern ein Wiedererleben des Geschehenen aus einer Fremdperspektive. Dieses Betrachten von außen erweitert den Horizont und macht neue Sichtweisen auf erlebte Situationen möglich, was eine sehr holistische Reflektion zur Folge hat. Diese wiederum ermöglicht sowohl das Verständnis für Handlungsweisen anderer als auch Selbsterkenntnisse zu eigenen Verhaltensweisen. 

Tagebuchschreiben hilft uns also andere besser zu verstehen und auch bewusster über unsere eigenen Handlungen zu sein.

Tagebuch schreiben entlastet unsere Emotionen

Das Tagebuch spielt auch eine wichtige Rolle in der emotionalen Entlastung. Die wohl bekannteste Studie hierfür ist aus den 80er Jahren von Prof. James Pennebaker von der University of Texas. Bei seiner Studie untersuchte Pennebaker die Wirkung des Tagebuchschreibens auf die Psyche und besonders welche Rolle es bei der emotionalen Entlastung spielt. Er beauftragte 50 Studenten der Universität 15 Minuten lang einen Tagebucheintrag zu formulieren. Die Anweisung der Häufigkeit der Einträge sowie was notiert werden sollte variierte er von Student zu Student. Er erkannte schnell, dass Studenten, die täglich bedacht und frei über ihre Emotionen und ihren psychischen Zustand schrieben sorgenfreier und glücklicher waren, und auch nach dem Experiment das Tagebuch weiterführen wollten. Diese starke Wirkung notierte Pennebaker allerdings nicht bei denjenigen Studenten, die Belanglosigkeiten notierten oder unregelmäßig ihren Tagebucheintrag schrieben. 

Daraufhin untersuchte Pennebaker in den 90ern die psychologischen Folgen bei den untersuchten Studenten und stellte eine Vielzahl an positiven Wirkungen bei täglichen Tagebuchschreibern fest. Zum einen waren sie sorgenfreier, da sie die Chance hatten ihre Ängste und Befürchtungen festzuhalten, zu quittieren und dann rational anzugehen. Sie hatten sie schwarz auf weiß vor Augen und fanden schneller Lösungen oder realisierten die Haltlosigkeit ihrer Ängste. Sie hatten konkrete Möglichkeiten negative Emotionen zu verarbeiten und positive Emotionen aufzunehmen. Diese höhere emotionale Gesundheit wirkte sich wohltuend auf den physischen Körper aus und führte zu resistenteren Immunsystemen sowie besseren nächtlichen Schlaf. Letzteres war besonders bei den Studenten festzustellen, die ihre Viertelstunde nutzen, um ein Dankbarkeitstagebuch zu führen – dazu später mehr. Schließlich fand Pennebaker eine Korrelation zwischen Tagebuchschreibern und sozialer Intelligenz. Da die Studenten häufig über ihre eigenen Gefühle nachdachten, wurde dies in ihrer Sprache und Ausdrucksweise gegenüber anderen reflektiert. Sie wurden als sozialer und empathischer wahrgenommen. 

Das regelmäßige Tagebuchführen hatte also glücklichere, gesündere, emphatischere und reflektierte Studenten zur Folge – kein schlechter Tausch für ein paar Minuten täglich. 

Das Tagebuch als vertrauter Freund

Weitere Studien untersuchten die Funktion des Tagebuchs als „vertrauten Freund“. Aufgabe des Tagebuches war es darin die Rolle eines guten Freundes und Gesprächspartners einzunehmen, der einerseits zuhört, andererseits aber auch konstruktive Kritik bietet und dadurch als Katalysator wohlwollender Selbstkritik wirkt. Durch das Tagebuchschreiben kommen auf einmal alltägliche Dinge in ein anderes Licht und werden auf andere Art beleuchtet. Man kann durch Reflektion zu kritischen Erkenntnissen kommen und diese eigenwillig überdenken, ohne von anderen bemängelt werden zu müssen. Dieser Prozess führt zu persönlicher Entwicklung und Wachstum. 

Neben einer neuen Sicht auf das Ich, erlangt man durch das Schreiben eines Tagebuches auch neue Perspektiven zu den Handlungsweisen und Ansichten anderer. Dies erhöht Verständnis und Toleranz von Kollegen und Mitmenschen, da man durch häufige Reflektion eher fähig ist sich in ihre Lage hineinzuversetzen. Zudem werden durch die multiperspektivische Sicht auf Dinge die Motivation, Problemlösungskompetenz und Positivität der Studenten erhöht als auch ihr Stress reduziert. Auch die Kreativität der Studenten erfuhr einen Aufschwung, da das Schreiben des Tagebuches die linke Hemisphäre des Gehirns, die mit Intuition und Emotion assoziiert wird, beansprucht und trainiert. 

Tagebuch und Arbeitsleben

Eine neuere Studie fokussierte auf Erwachsene im Arbeitsleben, die Tagebuch schreiben. Verglichen wurde sie dabei mit Kollegen im gleichen Arbeitsumfeld mit ähnlichen Aufgaben und Verantwortungen. Die Testpersonen wurden gebeten zu notieren, was sie erstens mit ihrer Arbeit erreichen möchten und zweitens wie sie mit ihrer Arbeit die Welt verbessern. Diese Kombination führte in allen Metiers, neben den schon etablierten Vorteilen, zu einer gestiegenen Arbeitsmotivation von über 30% – und das einfach durch tägliches Tagebuchschreiben. Gleichzeitig wurde entdeckt, dass sich das regelmäßige Ordnen der eigenen Gedanken positiv auf die Kommunikationsfähigkeit auswirkt. Das Schreiben eines Tagebuchs förderte bei den Testkandidaten die verbale Ausdrucksfähigkeit sowie die Spontanität und Flexibilität der Antworten.

Tagebucharten – Ein Tagebuch für alle Tage

Wie schon angedeutet gibt es verschiedene Tagebucharten. Da man prinzipiell alles in sein Tagebuch schreiben kann und es kein vorgeschriebenes Format für das Tagebuch gibt, stehen unendlich viele Möglichkeiten offen. Trotzdem fallen viele Tagebücher in eine bestimmte Kategorie, die einen ganz individuellen Fokus setzen. 

Das klassische Tagebuch ist, dank einigen prominenten Veröffentlichungen, die wohl bekannteste Form. Ob in Form von Anne Franks fesselnden Erzählungen des Holocaust oder Nelson Mandelas inspirativen Monologen, das klassische Tagebuch ist ein persönlicher Ort für Gedanken, Gefühle und ungestörte Reflektion. 

Das Dankbarkeitstagebuch

Eine sehr beliebte und hoch angepriesene Form des Tagebuches ist das Dankbarkeitstagebuch, welches wunderbar mit der klassischen Form fusioniert werden kann. Diese Anwendung der positiven Psychologie wird sowohl gestressten und besorgten Menschen empfohlen als auch bei depressiven Patienten klinisch angewandt. Die Idee des Dankbarkeitstagebuchs ist es täglich eine bestimmte Anzahl an geschehenen Dingen zu notieren, für die man dankbar ist. Auch sollte man die damit verbundenen Gefühle festhalten, die man in jenen Momenten empfunden hat und warum der Tag dadurch besser wurde. Die Wirkung eines konsequent geführten Dankbarkeitstagebuches gleicht einem Wunder. Unzählige Menschen wurden durch diese Technik entspannt, entlastet und beruhigt. Außerdem wird das eigene Leben unter neues Licht gerückt, wodurch man Alltäglichkeiten, die man einst als selbstverständlich gesehen hat, schätzen lernt. Das Dankbarkeitstagebuch ist für jeden, der seine Stimmung heben möchte oder den Wert der kleinen Dinge im Leben hervorheben will. 

Das Reisetagebuch

Reisetagebücher sind auch eine bekannte Form des Tagebuches, bei welcher der Name schon viel über die Funktion verrät. In Reisetagebüchern werden erlebte Abenteuer und Erfahrungen sowie die dabei empfundenen Gefühle festgehalten. Reisetagebücher dienen der Erinnerung, aber auch der Wiedererzählung für Freunde und Familie. In manchen Fällen, wie bei Robert F. Scotts Reisetagebuch über seine Expedition zum Südpol, werden diese Abenteuer weltweit geteilt und bewundert. 

Es gibt auch eine Reihe an klinisch empfohlenen Tagebüchern. Dazu zählt beispielsweise das Traumtagebuch, in welchem man jeden Tag das zuvor Geträumte festhält und aus den verwunderlichen, verschlüsselten Traumbotschaften zu lernen versucht. Viele Neurowissenschaftler sind sich einig, dass Träume eine verzogene Reflektion unseres inneren Zustandes darstellen in welchen Gedanken und Gefühle auf oft bizarre Weise präsentiert werden. Und wenn auch nichts Tieferes dahintersteckt, ist es doch amüsant einige Zeit später nachzulesen welche Verrücktheiten man in der Welt der Träume erlebt hat.

Einige Ärzte empfehlen während der Schwangerschaft ein Tagebuch zu führen welches einerseits dem Genuss der späteren Erinnerung dient, aber auch hilft Stimmungsschwankungen sowie den Verlauf der Schwangerschaft verfolgen zu können.

Weitere Tagebuchformen

Weitere Formen des Tagebuches sind beispielsweise das Projekttagebuch mit welchem die Entwicklung und der Fortschritt eines Bau- oder Bastelprojekts notiert werden können. Es kann auch helfen, wenn das Brett einmal vor dem Kopf hängt anstatt auf der Werkbank zu liegen – Lösungsfindung bedarf nicht selten einer anderen Perspektive, die das Tagebuch sehr gut bieten kann.

Ähnlich ist es auch beim philosophischen oder lyrischen Tagebuch in welchen großen Ideen und poetische Gedanken notiert und exploriert werden können. Auch Gesundheitstagebücher bieten sich für manche an, die ihre gesundheitliche Transformation Schritt für Schritt nachverfolgen möchten. Gejoggte Distanzen und Zeiten, oder Ernährungstracking sind alles Dinge, die im Tagebuch an einem Ort festgehalten werden können.

Ein sicherer Ort für Emotionen & Gedanken

Wichtig und gemeinsam ist allen Tagebüchern, dass sie ein sicherer Ort für Emotionen, Gedanken und ein freier Ort der Entfaltung und Entwicklung sind. Sie sollten täglich geführt werden und immer in die Tiefen unserer Gedankenwelt tauchen, um eindrucksvoll und wirksam zu sein. Nur über Belanglosigkeiten zu schreiben reicht eben nicht… etwas Mühe ist erfordert. Sobald das Ganze aber zur Gewohnheit wird, ist diese Mühe wirklich überschaubar, insbesondere wenn man sie den unzähligen Vorteilen gegenübergestellt. 

Lust aufs Schreiben bekommen? Perfekt. Wenn jetzt noch ein schönes Schreibinstrument oder ein passendes Tagebuch fehlt, helfen wir bei Penoblo sehr gerne aus. Alternativ können Sie weiterlesen wie ein solcher Tagebuch Eintrag aussehen könnte.

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