Wie das Handschriftliche Schreiben unsere Sprache Verbessert


Dezember 16, 2021
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Dezember 16, 2021
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Vor der Verbreitung von Word, Pages oder GoogleDocs war die Schreibmaschine das hauptsächliche Mittel der Wahl, um Dokumente zu verschriftlichen. Texte mussten ohne Rechtschreib- und Grammatikfehler erstellt werden, um das Neutippen einer Seite zu vermeiden, was eine ständige Aufmerksamkeit verlangte. Obwohl die Schreibmaschine inzwischen durch Textverarbeitungsprogramme wohl überflüssig geworden ist, erfreut sich ein Schreibutensil, welches weiter zurückreicht als beide, großer Beliebtheit – der Füllhalter. Das Comeback des Füllhalters in den letzten Jahren weist auf eine nostalgische Sehnsucht nach einem vergangenen, goldenen Zeitalter des Schreibens hin. Abgesehen vom Wunsch nach größerer Ausdrucksfreiheit, verbessert handschriftliches Schreiben auch die kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten des Schreibers. Aber wie genau wirkt sich das Schreiben auf unsere Sprache aus und warum ist es auch heute noch sinnvoll dem alltäglichen Schreiben einen hohen Stellenwert zu verschreiben?

Handschriftliches Schreiben erhöht unsere Konzentration

Der menschliche Geist kann nur begrenzt Informationen im Kurzzeitgedächtnis speichern Diese werden im präfrontalen Kortex verarbeitet. Allerdings führt die exklusive Nutzung von Smartphones, Computern und ähnlichen modernen Geräten immer stärker zu einer Beeinträchtigung dieser Fähigkeit, da sie den präfrontalen Kortex mit Ablenkungen überlastet. Versuch dich zum Beispiel, an die Details des letzten Artikels zu erinnern, den du vor diesem gelesen hast – siehst du, was ich meine? Unsere digitalen Geräte lenken uns nicht nur aktiv mit eingehenden Benachrichtigungen ab, sondern verlocken uns auch ständig mit einer interessanten Auswahl an Apps, Videos und Nachrichten, die das Prokrastinieren umso einfacher machen. Wir schaffen einen trügerischen Glauben an unsere Multitasking-Fähigkeit, wenn wir gleichzeitig Musik hören, auf Textnachrichten antworten und eine Tasse Kaffee trinken! Wenn unsere Aufmerksamkeit aber hauptsächlich mit peripheren Aufgaben beschäftigt ist, verringern wir unsere Fähigkeit, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Beim Schreiben auf Papier müssen wir uns ständig konzentrieren. Ohne die Autokorrektur zwingt uns der Stift dazu, konsequent unsere Worte zu planen und fehlerfrei aufs Papier zu bringen. Dies trainiert unsere Fähigkeit Ideen länger in Gedanken festzuhalten, zu entwickeln und fertigzudenken während die Hand sie niederschreibt – ein Prozess der eine erhöhte Konzentration zur Folge hat.

Ein besseres Gedächtnis durch handschriftliches Schreiben

Erinnerungen sind oft an körperliches Empfinden geknüpft. Sinnliche Erfahrungen geben uns die Gewissheit, dass ein Ereignis stattgefunden hat und ermöglichen uns später ein Erinnern an Erlebtes. In ähnlicher Weise sind beim Schreiben komplexe motorische Fähigkeiten gefragt. Die sensorische Erfahrung des Schreibens verleiht unseren Ideen physische Form, was uns hilft diese besser zu verstehen und folglich auch besser zu erinnern. Ein Schüler, der zum Beispiel während einer Vorlesung auf einer Tastatur tippt, kann präsentiertes wohlmöglich wortwörtlich wiedergeben. Ein kluger Schüler hingegen denkt kritisch über das Gehörte nach und notiert mit Bedacht nur Essentielles. Als handschriftlicher Schreiber ist man dabei gezwungen nachzudenken bevor man schreibt. Im Zuge dessen achtet man genauer auf Inhalt und Sinn des Geschrieben. Man erinnert sich an Details durch Hinweise und unterbewusste Assoziationen des sensorischen Erlebnisses – und nicht durch stumpfes Auswendiglernen.

Wer handschriftlich schreibt, speichert sein Wissen also schneller und einfacher im Langzeitgedächtnis.

¡Ausdrucksfähiger durchs Schreiben!

Das gleichzeitige Tippen und Denken ist für die meisten Menschen schon längst Alltag geworden – ein Mittel, um mehr in weniger Zeit zu erledigen. Leider lässt uns diese Eile nur ein vages Verständnis unserer Gedanken zurück. Außerdem schwirren unsere Gedanken unter der Silhouette der Effizienz chaotischer umher als je zuvor. Zweifelsohne sollten wir uns daher mehr Zeit nehmen, um über unsere Gedanken nachzudenken, sie reifen zu lassen und zu verstehen, bevor wir uns äußern. Ebenso zwingt uns das Schreiben dazu, unsere Argumente zu strukturieren, bevor wir sie zu Papier bringen – das Papier bietet uns nämlich keine “Zurück-Taste” an. Wenn wir auf unsere Rechtschreibung, Handschrift und Grammatik achten, festigen wir nebenbei unsere Ideen, indem wir sie in einer für andere verständlichen Form denken. Am Ende des Schreibens haben wir eine Endgültigkeit und Gewissheit über den Inhalt unserer Argumente.

Geschrieben heißt überprüft

Schriftsteller, Autoren und Journalisten sind heute mit unterschiedlichen Trends und Meinungen konfrontiert, welche die Konsistenz und Zuverlässigkeit ihres Schreibens beeinflussen können. Vielen von uns ist es vielleicht nicht einmal bewusst, wie oft wir unsere Gedanken und Meinungen an die “Tagessuppe” anpassen. Dadurch wird unsere Fähigkeit kritisch, differenziert und individuell zu denken bedroht. Das Führen eines Tagebuchs kann uns helfen, unsere eigene Meinung von denen zu unterscheiden, die sich nur bei uns Eingenistet haben. Wenn wir unsere Gedanken aufschreiben, können wir sie oft zu ihrem Urspruch zurückverfolgen und die Einflüsse entdecken, die hinter ihnen stehen. Diese Selbsterkenntnis hilft uns selbstbewusster und differenzierter unsere Meinung zu verstehen und zu vertreten. Wir können sogar Muster von Widersprüchen in unseren Überzeugungen aufdecken, uns unser Verständnis den sich immer verändernden Zeiten anpassen. Wenn wir reflektierend schreiben, werden unsere Gedanken klarer und unsere Überzeugungen gestärkt.

Handschriftliches Schreiben hat also einen vielfältigen Einfluss auf unsere Sprache – sowohl die geschriebene als auch die gesprochene.

Beginne deshalb auch du mit dem Schreiben und verändere dein Leben – zum Beispiel mit unserer Challenge. Endecke außerdem andere Artikel zum Thema “handschriftliches Schreiben” und dessen Wirkung auf dein Leben.

— Dieser Text wurde ursprünglich auf Englisch verfasst —

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