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#keepadiary – Tagebuch schreiben (Teil II)

Im ersten Artikel zu Tagebüchern haben wir die Vorteile und Gründe für das Tagebuchschreiben sowie ein paar Tagebuchtypen vorgestellt. In diesem Artikel soll es nun mehr um das “Eingemachte” gehen. Der Artikel soll denjenigen, die gerne Tagebuch schreiben möchten, aber nicht wissen wie, als Orientierung dienen. Genauso kann er auch erfahrene Schreiber auf neue Ideen bringen.

Welches Tagebuch in welchem Stil? 

Bevor man überhaupt mit seinem Tagebuch anfängt muss man einige Dinge entscheiden: Erstens muss man sich entweder für ein digitales Tagebuch in Form einer App bzw. einem digitalen Notizblock, oder einem klassischen analogen Tagebuch entscheiden. Wir empfehlen Letzteres sehr und legen angehenden Tagebuchschreibern ans Herz sich dezidiert Zeit zu nehmen ihre Gedanken und Emotionen zu verschriftlichen.

Schreiben ermöglicht eine viel persönlichere Verbindung zu den festgehaltenen Worten – hier sind sich Wissenschaftler einig. 

Außerdem muss man sich entscheiden in welchem Stil man sein Tagebuch führen möchte: Soll es als Monolog geschrieben werden? Oder adressiert man eine fiktive Person? Einigen wird es leichter fallen das Tagebuch als Erzählung zu schreiben, in welcher man selber als Charakter vorkommt. 

Auch kann man sich über narrative Details Gedanken machen – schreibt man chronologisch oder zeitlich frei und schreibt man in formeller oder Alltagssprache?

Sollte das perfekte Schreibutensil oder ein passendes Tagebuch noch fehlen, helfen wir bei Penoblo gerne weiter.

Tagebuch schreiben

Sic Tagebuch Creatus Est.

Sobald alle Formalitäten geklärt sind kann man endlich das eigentliche Schreiben beginnen. Aber was schreiben?

 „Ich werde, ich hoffe, dir alles anvertrauen können, wie ich es noch bei niemandem gekonnt habe, und ich hoffe, du wirst mir eine große Stütze sein.“

So schrieb Anne Frank im ersten Eintrag ihres weltbekannten Tagebuches. Damit wird schon deutlich, was man in sein Tagebuch schreiben kann – alles was in den Sinn kommt. Sei es Erlebnisse im Alltag, Ideen und Fragen, empfundene Emotionen oder Ziele und Pläne. Genauso kann man sein Tagebuch aber auch nutzen, um das eigene Leben nachzuverfolgen. Geschehnisse bei der Arbeit, in der Familie und im Freundeskreis oder auch als Tracking für Ausgaben oder Mahlzeiten.

Manchen Menschen hilft es sich anregende Fragen zu stellen, die Erinnerungen hervorrufen und tieferes Denken motivieren

Beispiele hierfür sind:

  1. Was passiert um micht herum?
  2. Welche Veränderungen mache ich durch?  
  3. Was denke und fühle ich?
  4. Wovor habe ich Angst?
  5. Was habe ich erreicht? Was ist mein Ziel?
  6. Was macht micht glücklich?
  7. Wofür bin ich dankbar?
  8. Was macht micht unzufrieden?
  9. Was möchte ich verbessern oder verändern?
  10.  Wie wirke ich auf andere?

Diese Fragen bilden die erste Ebene der Dinge, die man notieren kann. Im Tagebuch bietet es sich jedoch auch an tiefer in die Gedanken einzutauchen und nicht nur nach dem Was zu fragen, sondern auch nach dem Warum. Warum passieren die Dinge, warum denke ich das, warum fühle ich mich so, warum ist das mein Ziel? Diese Gedankengänge sind zwar anspruchsvoller und bedürfen höherer Reflektionsleistung, haben im Nachhinein allerdings eine wesentlich stärkere Wirkung zur Folge. Sobald wir uns vom Was lösen erlauben wir unseren Gedanken sich von reinen Geschehnissen und Ereignissen zu entfernen und ihre Hintergründe und Ursprünge zu entdecken. Die Frage nach dem Warum muss außerdem nicht unbedingt klar und deutlich beantwortet werden, sondern kann auch gut als Anregung für neue Fragestellungen und Gedankengänge fungieren. Als Grundregel gilt erstens keine Belanglosigkeiten aufschreiben und zweitens Bedeutsames aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Tagebuch Schreiben: Plus – Minus

Wie im letzten Artikel angesprochen, ist das Tagebuchschreiben ein unterschätztes Mittel gegen Stress und Ängste. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Studenten, die vor ihren Klausuren ihre Prüfungsängste notieren, während der eigentlichen Prüfung selbstbewusster und sicherer sind. Ähnliche Ergebnisse fand man bei Erwachsenen, die ihren Arbeits- und Alltagsstress aufschrieben. Kurz, es bietet sich an, Dinge die einen negativen Einfluss auf unsere Psyche haben im Tagebuch zu thematisieren. 

Genau dasselbe Prinzip kann man auf positive Einflüsse applizieren. Geschehnisse die uns glücklich machen, Dinge für die wir Dankbar sind und Momente in denen Ziele erreicht wurden oder ein Gefühl von Stolz und Erfolg verhanden waren, sollten auf jeden Fall im Tagebuch angesprochen werden. Das Aufschreiben und Wiedererleben der Momente und Emotionen stärkt das Selbstbewusstsein, die Handlungsfähigkeit und die Bereitschaft trotz schwierigen Situationen weiter zu kämpfen.

Alles außer Tagebuch im Kopf?

Trotz guten Ideen kann es natürlich immer vorkommen, dass man einfach nicht weiß was man ins Tagebuch schreiben soll. Dieses Phänomen findet man sowohl bei erfahrenen Schreibern als auch bei Anfängern. Unsere Empfehlung ist einfach losschreiben! Jeder Satz kann ein Anfang sein: „Heute dachte ich…“, „Jetzt will ich etwas schreiben aber weiß nicht was! Vielleicht liegt es an…“.  

Eine andere Möglichkeit ist es einfach eine Nacherzählung des Tages aus einer Fremdperspektive zu schreiben. Dies hilft bei der Distanzierung und offenbart oftmals Dinge, die man aus der eigenen Perspektive nicht zu erkennen vermag.

Tagebuch als MarathonNach dem Schreiben ist vor dem Schreiben

Wichtig beim Tagebuchschreiben ist, dass man es (fast) jeden Tag macht und auch eine Weile durchhält.

Da das Tagebuch an keine Regeln oder Ordnung gebunden ist, kann man auch immer wieder Abwechslung reinbringen. So kann man ab und zu aus der Ich-Perspektive schreiben und andere Male in der dritten Person.  Genauso besteht die Möglichkeit die inneren Personas zu variieren. Schreibt man aus Sicht seines inneren Kindes oder seriösen Erwachsenen? Ist heute Engelchen oder Teufelchen am Steuer?  Oder lässt man ausnahmsweise die selbstverliebte arrogante Seite schreiben, statt der bescheidenen und selbstlosen? Es gibt endlos viele Möglichkeiten, bei welchen nur das Vorstellungsvermögen die Grenzen festlegt. 

Wenn an einem Tag nichts Schreibenswertes geschehen ist oder emotional einfach nichts los ist, kann man auch ältere Situationen und Gefühle aufgreifen, die eindrucksvoll waren oder eine bleibende Wirkung hatten. 

Eine andere Möglichkeit ist es sich an solchen Tagen mit Zielen, Wünschen und Träumen zu beschäftigen. Welche Lebensziele habe ich erreicht und welche stehen noch vor mir? Bin ich auf dem jetzigen Lebenspfad glücklich? Was wünsche ich mir für meine Zukunft?

Egal was und wie man schreibt, das Tagebuch sollte persönlich und nur für die eignen Augen sein. Dies ist essentiell damit man sich frei entfalten und ungehindert seine Gedanken und Gefühle entdecken kann. 

Jetzt bleibt nur noch eins: Losschreiben! 

Wir wünschen viel Freunde und ungehindertes Explorieren mit einem ganz besonderen, persönlichen Tagebucherlebnis.

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