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Linkshänder Füller – ein Mythos kurz erkärt

Das macht man mit Links!

Als Linkshänder bleibt man der Schreibwelt von Füllfederhaltern oft fern. Meistens ist dies auf schlechte Erfahrungen in den ersten Schuljahren zurückzuführen, in denen nahezu jedes Kind in Deutschland das Schreiben mit Füllern beigebracht bekommt.

Das “Problem” beginnt in der Schule

Dort werden allerdings kaum auf die Besonderheiten geachtet, mit welchen ein Linkshänder beim Füllfederschreiben konfrontiert wird. Sei es das ständige Geschmiere der Tinte oder das unangenehme Kratzen der Feder. Infolgedessen geben Linksschreibende oft sehr schnell das Schreiben mit einem Füller auf und wechseln zu einem Tintenroller, Kugelschreiber oder Bleistift. Dabei gehen ihnen umsonst Schreibmöglichkeiten und Erlebnisse verloren; denn auch Linkshänder können große Freude beim Schreiben mit einem Füller empfinden. In den letzten Jahren habe ich als Linkshänder viel Erfahrung mit Füllern gesammelt und bin, trotz anfänglicher Probleme, nun absoluter Befürworter des Elements.

Hauptprobleme eines Linkshänders beim Schreiben

Die Hauptprobleme eines Linkshänders beim Füllfederschreiben sind grundsätzlich ein Verschmieren des Geschriebenen durch zu langsam trocknende Tinte und das Kratzen der Feder. Dies kommt daher, dass Linkshänder beim Schreiben, im Gegensatz zu Rechtshändern, ihr Schreibgerät hauptsächlich schieben. Das Schieben des Füllers kann durch den nachgezogenen Handballen oftmals ein Verwischen der Tinte zur Konsequenz haben. Auch das Kratzen lässt sich auf das Phänomen Schieben zurückführen. Hierbei hängt sich die Federspitze in den Fasern des Papiers auf und erzeugt ein unangenehmes Gefühl. Zusätzlich wird dies durch einen überdurchschnittlich steilen Schreibwinkel und einen äußerst festen Griff verstärkt, mit welchem ein Großteil von Linkshändern schreibt.

Linkshänder Schreib- und Griffmethoden

Außerdem haben sich die meisten Linkshänder mit der Zeit individuelle Schreib- und Griffmethoden angeeignet, die ein Schreiben mit einem Füller beträchtlich erschweren. Diese lassen sich allgemein in drei Grundkategorien einordnen.

  • Erstens gibt es den „geraden Schreiber“. Dieser ähnelt einem klassischen Rechtshänderstil am ehesten: Er bildet das Spiegelbild der Hand eines Rechtshänders und setzt auf der Höhe der Schreiblinie an. Der „gerade Schreiber“ hat demzufolge stark mit dem Schmierproblemen zu kämpfen.
  • Zweitens findet man immer wieder, vor allem bei jüngeren Linkshändern, einen Hakengriff, auch „über-Schreiber“ genannt. Bei diesem wird das Schreibgerät über der Schreiblinie angesetzt und bringt von oben die Wörter zu Papier. Über-Schreiber haben zwar weniger Probleme mit dem Verschmieren, verkrampfen hingegen, aufgrund der unnatürlichen Schreibposition, schnell.
  • Die dritte Kategorie und zweifelsohne praktischste und gesundeste Schreibposition ist die, der „unter-Schreiber“. Diese setzten, wie der Name verrät, unter der Schreiblinie an und schreiben von unterhalb. Vorteilhaft ist die unter-Schreiber-Position, da es zu nahezu keinem Verschmieren der Tinte oder Krämpfen kommt. Es bietet sich deshalb als Linkshänder an, eine solche Position anzutrainieren, da das Schreiben grundsätzlich vereinfacht und entspannter wird. Dabei sollte immer ein Winkel von ca. 45° zwischen Füller und Papier gehalten werden.

Worauf sollte ein Linkshänder bei einem Füller achten?

Unabhängig von der Schreibposition können Linkshänder ein sehr genießbares Schreiberlebnis mit einem Füller schaffen. Dabei gibt es ein paar Kleinigkeiten, die beachtet werden sollten:

  • Beim Aussuchen des Füllfederhalters sollte bei Links- sowie Rechtshändern gleichermaßen auf eine passende Größe, Dicke, Länge und Gewicht des Schreibgerätes geachtet werden.
  • Zudem ist die Federwahl bei Füllern für Linksschreibende essenziell und maßgebend für den Schreibkomfort. Je nach Schreibhaltung, sollten verschiedene Federn in Erwägung gezogen werden, wobei in keinem Fall nur spezielle, von manchen Herstellern produzierte Linkshänderfedern in Frage kommen.
  • Für „gerade Schreiber“ sind grundsätzlich dünnere Federn wie [F] zu empfehlen, da weniger Tinte auf das Papier fließt und das Geschriebene insgesamt schneller trocknet. Für „über-Schreiber“ können mittlere [M] Federn die beste Lösung sein, da es seltener zu Verhakungen kommt. „Unter-Schreiber“ haben das breiteste Spektrum an Möglichkeiten, da sie nahezu uneingeschränkt sind in ihrer Federwahl. Linkshändern wird grundsätzlich von Obliquefedern abgeraten, da diese im Regelfall explizit für Rechtshänder geschliffen werden. Außerdem kann es zu Schwierigkeiten bei Spezialfedern wie Flex-, Italic oder Stubfedern kommen.
  • Bezüglich des Materials kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden, was für Linkshänder besser geeignet ist. Goldfedern haben den auffallenden Vorteil, sich nach einer Einschreibphase an den Schreiber anzupassen und genau deshalb besonders für Linkshänder zu empfehlen sind. Jedoch sind sie auch anfälliger für Verformungsschäden bei schwerem, druckvollem Schreiben, was häufig Linksschreibenden zugesprochen wird. Stahl passt sich gegensätzlich weniger gut an, ist aber fraglos die robustere Lösung, die nicht unbedingt schlechter schreibt. 

Spezielle Linkshänder Füllfedern

Speziell für Linkshänder geschliffene Federn [LH] findet man von einigen Herstellern wie LAMY oder Pelikan. Diese sind allerdings eher für Schreibanfänger gedacht und weisen nur marginale Veränderungen auf. Meist basieren sie auf einer [M] Feder, die leicht modifiziert wurde. Als schreiberfahrener Linkshänder darf man sich daher in keiner Weise von LH-Federn bei seiner Federwahl eingrenzen lassen.

Als allgemeinen Grundsatz sollten sowohl Standardfedern als auch Spezialfedern vor allem von Linksschreibenden ausprobiert werden, da nur dadurch die beste Entscheidung getroffen werden kann.

Papier und Tinte für Linkshänder

Weitere Aspekte, die von Linkshändern beim Schreiben mit Füllern exploriert werden können und sollten, sind das benutze Papier und die Tinte. Diverse Hersteller haben Tinten entwickelt, die auch von Linksschreibenden gut zu nutzen sind: Zum einen gibt es Tinten, die gut und authentisch trocknen. Diese sind so aufgebaut, dass das Wasser schnell verdunstet, ohne die Konstitution der Tinte oder die Farbe zu verfälschen. Beispiele hierfür sind die Iroshizuku Tintenserie von Pilot oder Diamine Tinten.  Zum anderen gibt es Tinten, die sehr schnell trocknen. Diese, auch „fast-dry-ink“ genannten Tinten, werden so entwickelt, dass sie schnellstmöglich vom Papier aufgenommen werden und so nichts Flüssiges auf der Papieroberfläche ist. Oft weisen Dokumentenechte Tinten diese Eigenschaften auf, wie die von Montblanc, De Atramentis oder Rohrer und Klinger. Auch das Papier sollte beim Schreiben mit einem Füller gut gewählt werden. Glattes, beschichtetes Papier, wie das von Clairefontaine, ermöglicht ein förmliches Gleiten mit der

Feder über das Papier, verlangsamt jedoch den Prozess des Trocknens. Unbeschichtetes Papier hingegen saugt sekundenschnell jegliche Tinte auf, weist allerdings eine wesentlich rauere Oberfläche auf und kann zu ungewollten aufsaugmustern und Schlieren im Papier führen.

Als Leitlinie gilt bei Linkshändern, wie auch bei Rechtshändern „Probieren geht über Studieren“.

Nur wer Verschiedenes ausprobiert, kann wissen was einem zuspricht und was weniger geeignet ist. So wird man auch „mit Links“ zu einem einmaligen und entspannenden Schreiberlebnis mit einem Füllfederhalter kommen.

Wer mehr über das Thema Füller erfahren möchte, sollte sich unseren Füllerguide durchlesen. Viel Spaß beim Schreiben!

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